Winston Churchill

Winston Churchill

Winston Spencer Churchill wurde am 10. Mai 1940 britischer Premierminister, in einer Zeit schwerer Prüfungen für sein Land, die Churchill selbst mit einem „Katarakt von Katastrophen“ verglich. Am Tag seiner Ernennung begann die deutsche Großoffensive im Westen. Innerhalb weniger Wochen waren Holland und Belgien überrannt, und die britische Expeditionsstreitmacht war zusammen mit den Überesten der französischen 7. Armee abgeschnitten und in einen kleinen Raum um die Hafenstadt Dünkirchen am Kanal zurückgedrängt.

Nur wenige glaubten, England könne den Krieg alleine fortsetzen. In seiner Ansprache vor dem Parlament am 4. Juni legte Churchill den Grundstein für die trotzige Haltung und die grimmige Entschlossenheit, die für England unter seiner Führung in den nächsten Kriegsjahren kennzeichnend sein sollte.

Seine Rede war kühn und ehrlich zugleich. Bei der Räumung Dünkirchens war das Gros des Kriegsgeräts der britischen Armee zurückgeblieben, von Kampfpanzern bis hin zu den Karabinern der Infanterie. Eine Invasion und Eroberung Englands war eine reale Gefahr.

Unter Churchills Führung widmeten sich die Briten der Verteidigung ihrer Heimat mit beispielloser Entschlossenheit. Trotz der Belagerung von See und aus der Luft blieb die Moral gut und es zweifelte niemand daran, daß England am Ende doch siegen würde.

Für sein Volk war Churchill mehr als nur ein Premier. Mit seinen Reden nährte er den festen Glauben daran, daß Recht und Gerechtigkeit auf britischer Seite stünden, und gab den Menschen während der Schlacht um England und der deutschen Luftangriffe auf die Städte Vertrauen und Zuversicht. Seine Auftritte hielten die Hoffnung aufrecht und den Kampfgeist wach. Ein deutscher General sagte über Churchill, er wiege für sein Land mindestens soviel wie 30 Divisionen.

Doch Churchill wandte sich mit seinen Reden auch an die übrige Welt und vor allem an Amerika. Die hohen Kosten des einsamen Kampfes trieben England immer schneller an den Rand des Ruins. Die Hilfe aus Amerika, die den Deutschen verwehrt blieb, floß nach rein kaufmännischen Grundsätzen nach England.

Im Frühjahr 1941 waren die britischen Goldreserven so gut wie aufgezehrt, und auch von den überseeischen Guthaben war kaum noch etwas übrig. Churchill wußte, daß sein Land nicht mehr viel zu geben hatte. In einer Rede an die Welt appellierte er im Februar ganz ohne Scham an das amerikanische Volk und bat um Unterstützung.

Im März verabschiedeten die Amerikaner ihr Leih- und Pachtprogramm, das es England ermöglichte, zur Kriegsfinanzierung Kredite aufzunehmen. Dieser Schritt markierte einen Wendepunkt in einem nicht unwesentlichen Aspekt und bedeutete einen großen persönlichen Sieg für Churchill. Langsam, aber unaufhaltsam, wendete sich die öffentliche Meinung in Amerika gegen die Achse.

Als Verteidigungs- und Premierminister trug Churchill für die Kriegführung die Gesamtverantwortung. Seine Energie und sein fester Wille ließen ihn Risiken eingehen, wegen der ihn andere Staatsmänner für leichtsinnig halten mochten. Die erfolglose Intervention in Griechenland im Jahr 1940 schwächte die Briten in Nordafrika in einer entscheidenden Phase des Wüstenkrieges, doch Churchill war stärker als anderen bewußt, welche politische und moralische Bedeutung es hatte, diesem Land in der Stunde der Not zur Hilfe zu kommen. Er wußte auch um die Bedeutung von Kampfgeist und Wagemut für den Ausgang von Kriegen und hatte begriffen, daß es um die Moral seiner Landsleute um so besser bestellt war, je stärker sie sich zur Wehr setzten. Churchill galt Tatenlosigkeit als größeres Versagen denn Niederlagen.

Nachdem Rußland und Amerika in den Krieg eintraten, war Churchills strategischer Spielraum durch das Handeln seiner beiden mächtigeren Verbündeten sehr eingeengt. Er schätzte Stalins militärische Macht, erkannte aber auch mit scharfem Blick die Gefahr, die von seinen Ambitionen ausging. Der unbefangenere Amerikaner Roosevelt sah die globalen Gefahren des russischen Expansionismus nicht und stellte sich oft auf Stalins Seite.

Die letzten Kriegsjahre standen im Zeichen des Übergewichts der Russen und Amerikaner. Sie waren es, die in erster Linie über die Strategie für die Eroberung Deutschlands entschieden. Churchill, der in dieser Phase eine geringere Rolle spielte, blieb aber für sein Volk und auch für die Menschen in vielen anderen Ländern ein Held und eine Symbolfigur für die Integrität und Gerechtigkeit der Sache der Alliierten.

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