Panzerabwehr

Panzerabwehr

Die Briten setzten bei Kriegsbeginn ein für die moderne Panzerkriegführung völlig ungeeignetes Panzerabwehrgeschütz ein. Ihre 1,8-Pfund-Kanone hatte nur gegen leichte Panzerungen eine Wirkung, und auch das nur aus relativ kurzer Entfernung. Gegen den Panzer Mark IV in Afrika erwies sie sich jedoch als praktisch wirkungslos.

Im weiteren Kriegsverlauf wurden immer schwerere Panzerabwehrgeschütze benötigt, da auch die Panzerungen immer dicker wurden.

In Afrika wurde die 1,8-Pfund-Kanone rasch durch ein 5,5-Pfund- und später 15-Pfund-Geschütz ersetzt. Eine 23-Pfund-Haubitze wurde ebenfalls zur Panzerbekämpfung eingesetzt, doch die bei weitem stärkste Panzerabwehrwaffe des Krieges war die deutsche 8,8-cm-Flugabwehrkanone. Während des spanischen Bürgerkrieges in der Not einmal gegen Panzer gerichtet, erwies sie sich als mächtige Waffe. Die hohe Mündungsgeschwindigkeit eines Flakgeschützes war für die Panzerbekämpfung bestens geeignet. So wurden denn auch bis 1940 alle Flakgeschütze mit Zielfernrohren ausgerüstet und alle Flak-Einheiten in der Panzerbekämpfung geschult.

Modifizierte Versionen der 8,8-cm-Kanone, die ausschließlich zur Panzerabwehr dienten, hatten eine Spreizlafette und waren niedriger. Bei den Alliierten galt das Geschütz, dessen Munition aus 1.000 Meter Entfernung eine 230 mm dicke Panzerung durchdringen konnte, als gefürchtete Waffe.

Die Panzerabwehrkanonen verwendeten sehr unterschiedliche Munitionsarten. Hochgeschwindigkeitskanonen feuerten spitze, gehärtete Stahlgeschosse. Einige verwendeten Geschosse mit massivem Wolframkern, umgeben von einer weicheren Hülle. Die Umhüllung dieser Geschosse zerfiel beim Aufschlag und ermöglichte dem dünnen Wolframkern die Durchbohrung der Panzerung, wobei enorme Schäden durch splitterndes Metall und den Geschoßaufprall im Innern entstanden.

Manche Geschosse enthielten eine Sprengladung, die von einem Bodenzünder beim Einschlag im Ziel gezündet wurde. Dabei entstanden besonders große Schäden, doch es kam häufiger zu Fehlfunktionen als bei Projektilen mit festem Kern.

Später im Krieg erhielt die Infanterie mit dem Aufkommen von Hohlladungsgeschossen tragbare Waffen zur Panzerbekämpfung. Geschosse mit Hohlladung enthalten eine hochexplosive Sprengladung, die beim Aufprall explodiert und das Metall in der Geschoßspitze zum Schmelzen bringt, so daß es es sich mit dem explosiven Gasgemisch zu einem Feuerstrahl vereint, der sich mit einer Geschwindigkeit von über 7.000 Metern pro Sekunde fortbewegt und selbst dicke Panzerungen durchdringt, um dahinter oft noch Treibstoff und Munition in Brand zu setzen.

Ursprünglich wurden Hohlladungsgeschosse von Kanonen abgefeuert, doch der Rotationseffekt wirkte der Konzentration des Feuerstrahls entgegen, weshalb langsamere Projektile mit Leitflügeln eingeführt wurden. Diese Waffen waren bekannt unter den Namen amerikanische Bazooka, britische Piat und deutscher Panzerschreck.

Panzerabwehr