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Konzentrationslager

Konzentrationslager

Als Hitler 1933 an die Macht kam, begann die SA mit dem lange angekündigten „Aufräumen“ unter ihren Gegnern. Die wie eine Hilfspolizei agierende SA internierte ihre Opfer in schnell errichteten Lagern. Das erste davon lag in der Nähe von Dachau in Bayern. Der Zweck der Lager bestand anfangs in der Konzentration und Isolation unerwünschter Elemente und politischer Gegner des neuen Reiches.

Ab 1934 oblag die Verwaltung der Lager nicht mehr dem Justizministerium, sondern der SS. Theodor Eicke, der Kommandant von Dachau, wurde zum Inspekteur der Konzentrationslager und Führer der zur Lagerbewachung eingesetzten SS-Totenkopfverbände ernannt.

Während der 30er Jahre wuchs die Zahl der Lagerhäftlinge. Zu ihnen zählten Kommunisten und Gewerkschafter, Homosexuelle, Kleinkriminelle, Juden, Zigeuner und Fundamentalisten jeder denkbaren Richtung. Entsprechend wuchs auch die Zahl der Lager. 1941 gab es zehn Haupt- und 25 Nebenlager. Innerhalb der Lager wurden die Häftlinge in Gruppen zusammengefaßt und mußten Nummern und farbige Markierungen tragen, die sie in die verschiedenen Kategorien einordneten. Politische Häftlinge trugen einen roten, Homosexuelle einen rosafarbenen und Kriminelle einen grünen Aufnäher. Die Juden mußten einen gelben Stern tragen.

1942 wurde das KZ-Wesen verwaltungstechnisch Oswald Pohl unterstellt, der zu diesem Zeitpunkt bei der SS den Wirtschaftsbereich leitete. Unter Pohl entwickelten sich die Konzentrationslager zum Mittelpunkt eines von der SS beherrschten riesigen Wirtschaftsimperiums. Sie wurden aber auch zum Streitobjekt zwischen denen, die wie Pohl den wirtschaftlichen Nutzen der Lager als unerschöpfliche Quelle billiger Arbeitskräfte sahen, und denen, die sie als Vernichtungslager nutzen wollten.

Bestimmte Lager sollten für den Zweck der Massenvernichtung errichtet beziehungsweise umgebaut werden. Andere sollten auf die Ausbeutung von Arbeitskraft zugeschnitten werden. In den Arbeitslagern schufteten die Insassen in 12-Stunden-Schichten, entweder in SS-eigenen Betrieben oder in Unternehmen, deren Besitzer pro Tag und Arbeitskraft zwischen 4 und 8 Reichsmark an die SS entrichteten. Die Lebenserwartung betrug in diesen Lagern weniger als 9 Monate.

Die eigentlichen Vernichtungslager wurden außerhalb der Grenzen des Reichs errichtet. Dorthin wurde die verbliebene jüdische Bevölkerung des Reichs und der besetzten Gebiete verschleppt. Auch Slawen, Zigeuner und Angehörige anderer Rassen wurden Opfer der von Hitler gewollten Endlösung vermeintlicher Rassenprobleme. Die Tötungskapazität der neuen Lager sollte 60.000 pro Tag betragen. Im KZ Auschwitz, das insofern einmalig war, als es sowohl als Arbeits- wie auch als Vernichtungslager diente, wurde die Tötungskapazität innerhalb von zwei Jahren versiebenfacht.

Rudolph Höß, der Lagerkommandant von Auschwitz, ging bei der Vernichtung unschuldiger Menschenleben neue Wege. Neuankömmlinge wurden danach selektiert, ob sie arbeiten oder gleich umgebracht werden sollten. Den für die Ermordung vorgesehenen Menschen wurde befohlen, sich auszuziehen und auf eine gemeinschaftliche Dusche vorzubereiten.

Die Nackten wurden zu den Duschblöcken geführt. Wer zögerte oder sich widersetzte, wurde mit Stöcken geschlagen. Nachdem alle hineingezwängt waren, wurden die Türen von außen verriegelt und die Duschen angestellt. Anstelle von Wasser wurde Gas durch die Leitungen gepumpt. Nach einer halben Stunde öffneten sich die Türen an der Rückseite, und Arbeitskommandos aus Häftlingen und Wachen begannen mit der Entfernung der Leichen. Anschließend wurden sie zum Verbrennungsblock transportiert und in Öfen verbrannt.

Es läßt sich unmöglich genau sagen, wie viele Menschen auf diese Weise ermordet wurden. In Auschwitz allein starben über eineinhalb Million Menschen, hauptsächlich in den Gaskammern. Viele der Leichname blieben unverbrannt, weil die Verbrennungsanlagen nicht so gut funktionierten wie die Tötungsanlagen.

Paradoxerweise erwiesen sich die Vernichtungslager bei der Ermordung ihrer Insassen als weniger effizient als die Arbeitslager. Im Zeitraum 1933-1945 wurden über eineinhalb Millionen Menschen in Arbeitslager gesteckt. Man nimmt an, daß davon mindestens eine Million aufgrund der unvorstellbar schlechten Bedingungen ums Leben kamen.

Zwischen 1942 und 1945 dürften etwa 10 bis 13 Millionen Menschen in die Vernichtungslager gekommen sein, von denen rund die Hälfte dem Tod entging. Die Vernichtungslager konnten in den letzten Jahren mit der riesigen Zahl von Menschen, die ihnen das Dritte Reich zur Ermordung überstellte, einfach nicht mithalten.

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