Landung in Anzio

Landung in Anzio

Im Dezember 1943 war der Vormarsch der Alliierten in Italien unweit der Stadt Cassino zum Stehen gekommen. Eine Linie befestigter Verteidigungsstellungen, die sogenannte Gustavlinie, erstreckte sich östlich und westlich der Stadt durch die Berge.

Auf Initiative Churchills sollte eine starke mobile Streitmacht auf dem Seeweg herangeführt werden und in Anzio auf halbem Wege zwischen Cassino und Rom an Land gehen, um den Schwebezustand in Italien zu beenden. Mit raschen Angriffen auf die Albaner-Berge sollten die Straßen- und Eisenbahnverbindungen nach Süden eingenommen und der Nachschub für die Gustavlinie unterbrochen werden. Ein Großangriff auf die Stellungen hätte dann gute Erfolgsaussichten.

Am 17. Januar wurde mit einem Angriff auf die Gustavlinie begonnen. Er sollte auch dazu dienen, deutsche Reserven aus dem Raum Anzio abzuziehen. Nach langen Umwegen traf die Invasionsstreitmacht am 22. Januar bei Anzio ein und fand die Stadt völlig verlassen vor. Statt gleich zum Angriff überzugehen, folgte General Lucas dem Rat, seinen Landungskopf auszubauen und Vorbereitungen für einen erwarteten deutschen Gegenangriff zu treffen.

Der deutsche Oberkommandierende in Italien, Feldmarschall Kesselring, wurde zwar überrascht, reagierte jedoch schnell und entschieden.

Unverzüglich verlegte er eine kleine Streitmacht in das Gebiet, um die Lage zu beobachten, und forderte zugleich Verstärkungen an – nicht bei seinen bedrängten Truppen im Süden, sondern aus dem Norden und Westen, selbst von soweit her wie Frankreich und Jugoslawien.

Innerhalb weniger Tage hatte Kesselring 40.000 Mann in dem Gebiet, innerhalb einer Woche sechs Divisionen. Unterstützt durch Panzer und Artillerie rückten die Einheiten auf den Landungskopf zu, wobei die alliierten Truppen weiter und weiter zurückgeworfen wurden.

Dank ihrer Stellungen im Landesinneren konnten die Deutschen den Angriff entlang kürzerer Verbindungswege verstärken. Meter um Meter schlugen sie die Alliierten in Kämpfen, die zu den verlustreichsten des Krieges zählten, zurück, bis sie nur noch einen kleinen Flecken rund um die Stadt hielten. Geschützfeuer von alliierten Kriegsschiffen und Luftangriffe geboten dem deutschen Ansturm schließlich Einhalt, doch dank ihrer überlegenen Stellungen in den Bergen rund um Anzio waren die Deutschen in der Lage, den Landungskopf durch ständigen, über vier Monate dauernden Beschuß in Schach zu halten.

Durch Lucas Scheitern bei Anzio konnten die Deutschen die alliierte Offensive gegen die Gustavlinie zurückwerfen und ihre Stellungen im Winter und Frühjahr 1944 behaupten, was für die Alliierten Stillstand an zwei Fronten bedeutete und sie vor gewaltige logistische Schwierigkeiten bei der Versorgung ihres belagerten Landungskopfes stellte.

Aus der Wildkatze, die Churchill auf den Strand von Anzio setzen wollte, war für die Alliierten ein gestrandeter Walfisch geworden.

Landung in Anzio