Balkanfeldzug

Balkanfeldzug

Für den Kriegseintritt Griechenlands sorgte Mussolini am 5. Mai 1940, als in Albanien stationierte italienische Truppen über die Berge im Nordwesten Griechenlands eine Invasion begannen.

Obwohl klein und schlecht ausgerüstet, brachte die griechische Armee den Italienern eine Reihe vernichtender Niederlagen bei und warf sie durch die Berge über die albanische Grenze zurück. Mitte Januar 1941 überquerten die Griechen nach einer Reihe erfolgreicher Gegenoffensiven die albanische Grenze und vertrieben die italienischen Verbände auch aus dem südlichen Teil Albaniens.

Diese Schmach seines Verbündeten erzürnte Hitler, der sich den Plänen Mussolinis auf dem Balkan lange widersetzt hatte und in dieser Region den Frieden durch Diplomatie sichern wollte. Dieser Vorsatz war nun hinfällig. Der Angriff auf Griechenland hatte Athen in die Arme Englands getrieben, so daß britische Truppen wieder in das Kriegsgeschehen auf dem europäischen Festland eingreifen konnten. Griechenland und der Balkan hatten für Hitler Priorität erlangt. Seit dem Herbst 1940 hatte er geheime Vorbereitungen für einen Einmarsch in der Sowjetunion im Frühjahr 1941 getroffen.

Zur Sicherung der Flanke des geplanten Überfalls war eine Eroberung Griechenlands nun unbedingt erforderlich geworden. Ein Putsch in Jugoslawien am 26. März und das darauffolgende Ausscheiden des Landes aus der Achse bedeutete, daß auch Jugoslawien erobert werden mußte.

Am 6. April begann der Feldzug mit Angriffen auf Griechenland und Jugoslawien von Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien aus. Die Besetzung Jugoslawiens ging einher mit Luftangriffen auf Belgrad, die fast ununterbrochen zwei Tage andauerten. Während die Achsenverbände unaufhaltsam auf die Hauptstadt vorrückten, bombardierte die deutsche Luftwaffe wichtige Zentren und Einrichtungen, unterbrach Verbindungswege und schaltete Verteidigungsstellungen aus.

Dem Angriff folgten nach kurzer Zeit italienische Offensiven über die italienisch-jugoslawische Grenze und von Albanien aus. Diesem massiven Ansturm konnte die jugoslawische Gegenwehr nicht lange standhalten. Binnen einer Woche nach Beginn der Offensive fiel Belgrad. Bei den Luftangriffen auf die Hauptstadt waren 17.000 Zivilisten ums Leben gekommen, und das Stadtzentrum lag in Schutt und Asche. Am 17. April kapitulierten die letzten Einheiten der jugoslawischen Armee. Der Jugoslawienfeldzug war für die Wehrmacht ein voller Erfolg. Bei nur 151 Gefallenen und weniger als 400 Verwundeten hatten die Deutschen über eine Viertelmillion Gefangene gemacht.

Doch die Eroberung Jugoslawiens sollte nur der erste Akt eines langen Widerstandsdramas sein. Hitler hatte das Ausscheiden des Balkanstaats aus seinem Bündnissystem als persönliche Beleidigung aufgefaßt. Seine grausame Rache schockierte die Jugoslawen und veranlaßte viele, im gebirgigen Landesinneren Zuflucht zu suchen. Schon wenige Wochen nach der deutschen Besetzung hatten sich Partisaneneinheiten formiert, und der Kern eines Partisanenheeres war gebildet.

Im Süden leisteten die Griechen hartnäckigeren Widerstand. Aus Bulgarien einmarschierende deutsche Verbände wurden drei Tage lang an den Stellungen der Metaxas-Linie aufgehalten. Doch trotz der heftigen griechischen Gegenwehr und schwerer Verluste auf beiden Seiten brachen die Angreifer am 9. April durch, eroberten Saloniki und schnitten 70.000 griechische Soldaten in Ostthrakien ab.

Westlich der Metaxas-Linie rückten Panzer und motorisierte Kräfte der deutschen 12. Armee, darunter auch die motorisierte SS-Division „Leibstandarte Adolf Hitler“, von Jugoslawien aus in Griechenland ein und begannen unverzüglich mit der Umkreisung der griechischen 1. Armee in Albanien.

Nachdem das Gros der griechischen Streitkräfte abgeschnitten oder gefangengenommen war, stand zwischen den vorrückenden Achsendivisionen und Athen nur noch das 70.000 Mann starke britische Expeditionskorps. Zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen, mußten die Briten nach Süden zurückweichen. Dabei lieferten sie den Verfolgern eine Reihe verzweifelter Rückzugsgefechte, insbesondere bei den Thermopylen und Theben.

Am 27. April hatten die Deutschen Athen erreicht und ließen die Hakenkreuzfahne über dem antiken Stadtzentrum wehen. In den Häfen des Peloponnes im Südwesten hatten die Briten mit der Wiedereinschiffung begonnen. Trotz wiederholter Luftangriffe verlief ihr Abzug aus Griechenland weitgehend erfolgreich. Bis zum 1. Mai waren 51.000 Soldaten in Sicherheit gebracht. Vier Transportschiffe und zwei Zerstörer gingen bei der Aktion verloren.

Doch insgesamt war die Expedition für England ein Mißerfolg. Statt den Ausgang des Konflikts beeinflussen zu können, mußten die Briten mit ansehen, wie schnell und effektiv der deutsche Vormarsch verlief. Wichtiges Kriegsgerät wurde bei dem hektischen Abzug zurückgelassen, und wenngleich weniger als 1.000 britische Soldaten im Kampf fielen, blieben doch über 7.000 zurück und kamen in Gefangenschaft.

Die sowjetische Balkanoffensive begann am 20. August 1944. Nach dreitägigem russischen Ansturm bat der rumänische Monarch um Frieden, doch die Russen ließen sich die Früchte ihres Kampfes nicht nehmen. Ihre Kriegsmaschine rumpelte weiter voran, umkesselte die deutsche 6. Armee und rollte am 31. August in Bukarest ein. Am 5. September erklärte Rußland Bulgarien den Krieg und ließ seine Truppen durch das Land hindurch in Richtung Jugoslawien marschieren. Nach nur vier Tagen stürzte die bulgarische Regierung und wurde durch ein kommunistisches Regime ersetzt.

In Jugoslawien hatten die Partisanen seit Beginn der Besetzung ihres Landes durch die Wehrmacht ununterbrochen Widerstand geleistet. Seit 1943 waren die Partisanen unter ihrem Führer Marschall Tito von den Briten mit Nachschub versorgt worden, und bis Mitte 1944 hatte ein rund 250.000 Mann starkes Partisanenheer große Teile Jugoslawiens befreit. Am 23. Oktober eroberten sie Belgrad und sicherten dadurch die künftige Unabhängigkeit ihres Landes.

Bedrängt durch griechische Widerstandskämpfer und in Gefahr, abgeschnitten zu werden, begannen die Deutschen im Sommer 1944 mit dem Rückzug aus Griechenland. Im Oktober wurden britische Truppen nach Griechenland entsandt, um dessen Unabhängigkeit von Moskau zu sichern.

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